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Schmerztypen/ -mechanismen

Akute vs. chronische Schmerzen – Schmerztypen

Akuter Schmerz

Der akute Schmerz hat eine lebenserhaltende Warn- und Schutzfunktion. Er steht in einem direkten Zusammenhang mit einer Gewebe- oder Organschädigung, begleitet Verletzungen und Krankheitsprozesse. Das heißt, er hat eine konkrete Ursache, die klar benannt werden kann. Er tritt plötzlich oder zeitnah nach einem Ereignis auf und dauert über einen begrenzten Zeitraum an.
Ein akuter Schmerz sollte frühzeitig und angemessen behandelt werden, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Beispiele für akute Schmerzen sind:

  • Schmerzen nach Operationen
  • Kopfschmerzen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Schmerzen bei Verbrennungen oder Zerrungen
  • Schmerzen bei aktivierter Arthrose
  • Schmerzen bei Knochenbrüchen
  • Zahnschmerzen

Quellenangabe: Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen,
Deutsches Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP), 1. Aktualisierung 2011, Seite 58


Chronischer Schmerz:

Im Gegensatz zu akuten Schmerzen, die auf eine konkrete Ursache zurückzuführen sind, haben chronische Schmerzen jene Ursache überwiegend verloren. Chronischer Schmerz wird heute als eine eigenständige Krankheit betrachtet. In der Regel werden Schmerzen als chronisch eingestuft, wenn sie länger als drei bis sechs Monate anhalten. Darüber hinaus werden auch solche Schmerzen als chronisch eingestuft, die über Monate oder Jahre hinweg immer wiederkehren.

Aufgrund der enormen Belastung können Betroffene weitere physische und psychische Komorbiditäten entwickeln, bis hin zu Angststörungen.

Beispiele für chronische Schmerzen:

  • Arthroseschmerz
  • Osteoporoseschmerz
  • Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie
  • Nicht-spezifischer Rückenschmerz
  • Schmerzen nach Spinalkanalstenose
  • Tumorschmerzen
  • Schmerzen bei Rheuma
  • Schmerzen bei Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)

Quellenangabe: Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen, Deutsches Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP), 2014, 64-67
 

Wie Schmerzen entstehen – Schmerzmechanismen

Experten unterscheiden zwei grundlegende Schmerzmechanismen: nozizeptive und neuropathische Schmerzen (IASP, International Association for the Study of Pain). Darüber hinaus gibt es Mischformen (Mixed Pain) sowie dysfunktionale Schmerzen.

a. Nozizeptive Schmerzen:
Nozizeptorschmerzen sind die klassischen Schmerzen, wie sie nach einer Gewebeverletzung auftreten. Sie äußern sich dumpf, drückend, krampf- und oft auch kolikartig. Die Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) werden im Gewebe, im Gelenk oder im Knochen gereizt und leiten diese Information als Schmerzsignal weiter. Die Reizung der Schmerzrezeptoren kann dabei durch direkte mechanische Einwirkung (z.B. Messerschnitt), durch chemische (z.B. Säure) oder thermische (z.B. Hitze) Faktoren sowie durch körpereigene Substanzen (z.B. Entzündungsbotenstoffe) ausgelöst werden.

b. Nozizeptiv-entzündliche Schmerzen:
Bei diesem Schmerzmechanismus kommt neben dem nozizeptivem Schmerz noch eine entzündliche Komponente hinzu, ausgelöst durch Überträgerstoffe (Mediatoren) wie etwa Prostaglandin, Substanz P oder Histamin.

c. Neuropathische Schmerzen:
Neuropathische Schmerzen sind auf eine direkte Schädigung oder Fehlfunktion einer schmerzleitenden Nervenfaser zurückzuführen. Die Schädigung im Nervensystem führt zu einer übermäßigen Erregbarkeit der Nervenzellen: Sie leiten kontinuierlich Schmerzimpulse an das Gehirn weiter und können chronische Schmerzen verursachen.

Verletzungen, Veränderungen des Rückenmarks, Amputationen oder Erkrankungen wie Gürtelrose oder Diabetes Mellitus können Auslöser für eine solche Nervenschädigung sein.

Es kann sein, dass Betroffene den Schmerz nicht am Ort der Verletzung, sondern an einer ganz anderen Körperstelle empfinden. So kann ein verletzter Nerv im Rücken beispielsweise ausstrahlende Schmerzen ins Bein hinein verursachen.

Betroffene beschreiben neuropathische Schmerzen meist als einschießend, elektrisierend, brennend und kribbelnd.

  • Gemischter Schmerz:
    Gemischter Schmerz ist kein eigener Schmerzmechanismus. Vielmehr stellt er eine Sonderform dar, weil sich die meisten chronischen Schmerzen nicht nur auf einen einzigen Schmerzmechanismus zurückführen lassen.

    Gemischte Schmerzen liegen dann vor, wenn sowohl nozizeptive als auch neuropathische und/oder dysfunktionale Komponenten Einfluss auf den Schmerz nehmen. Eine effektive Schmerztherapie berücksichtigt daher die verschiedenen Komponenten.

    Insbesondere bei Rückenschmerzerkrankungen und Tumorschmerzen tritt die gemischte Schmerzform häufig(Mixed Pain) auf.

    In einer großen Studie lag bei neun von zehn Patienten (90,4 Prozent) mit chronischen Rückenschmerzen (chronic low back pain) ein gemischter Schmerz aus neuropatischen und nozizeptiven Komponenten vor.

    (Quelle: Maneesha Mehra et al., The burden of chronic low back pain with a neuropathic component, Journal of Medical Economics, 2012, Vol. 15, No 2, 245 -252)

    Auch anderen Schmerzerkrankungen wie der Arthrose können sowohl Nozizeptorschmerzen als auch Nervenschmerzen zugrunde liegen.

d. Dysfunktionale Schmerzen:

  • Die Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) ist eine chronische Schmerzerkrankung und gehört zu den dysfunktionalen Schmerzmechanismen. Charakteristisch sind im Körper weit verbreitete Schmerzen mit wechselnder Lokalisation in der Muskulatur, in den Gelenken und im Rücken. Weitere Kennzeichen sind Druckschmerzempfindlichkeit sowie Begleitsymptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Morgensteifigkeit, Konzentrations- und Antriebsschwäche, Wetterfühligkeit, Schwellungsgefühl an Händen, Füßen und Gesicht.
     
  • Somatoforme Schmerzstörung:
    Die „anhaltende somatoforme Schmerzstörung“ ist durch andauernde quälende Schmerzen über mehrere Monate gekennzeichnet, ohne dass eine körperliche Ursache gefunden werden kann. Die Schmerzen können in nur einer Körperregion oder auch gleichzeitig in mehreren Regionen wie Kopf, Rücken, Schulter, Arm, Brust, Bauch oder Unterleib auftreten. Meistens sind die Schmerzen von einer Erschöpfung begleitet. Auch Schwindelgefühle, Magen-Darm-Beschwerden, Schwitzen, Unruhe oder Herzrasen kommen vor. Ärzte nennen dies auch „psycho-vegetative“ Begleiterscheinungen. (www.dgss.org 03/2015)

    Die so genannte somatoforme Schmerzstörung (=Psychalgie) äußert sich durch einen subjektiv empfundenen intensiven und quälenden Schmerz in einem Körperteil, der mindestens sechs Monate lang andauert. Dieses Empfinden kann jedoch nicht ausreichend durch eine körperliche Störung oder ein physiologisches Geschehen erklärt werden. Das Auftreten dieses Schmerzes ist häufig gekoppelt mit schwerwiegenden emotionalen und/oder psychosozialen Belastungen beziehungsweise Konflikten.



 

 

  • Therapie-
    optionen

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