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Einteilung Schmerz...

...nach Zeit

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen dem akuten Schmerz mit seiner eindeutigen Warn- und Schutzfunktion sowie dem chronischen Schmerz, der seinen Bezug zum auslösenden Ereignis verloren hat und zur eigenständigen Krankheit geworden ist.

Akuter Schmerz

Die Warn- und Schutzfunktion des akuten Schmerzes dient der körperlichen Unversehrtheit bzw. Funktionsfähigkeit. Akute Schmerzen haben die Aufgabe, Schädigungen aufzuzeigen und durch Einleiten von Ausweichreaktionen vor weiteren Schäden zu bewahren. Postoperative Schmerzen werden ebenfalls den akuten Schmerzen zugeordnet.

Aufgrund seiner eindeutigen Warnfunktion sowie der normalerweise absehbaren Schmerzdauer (Nachlassen des Schmerzes nach Ende der Schädigung oder Abheilen) wird der akute Schmerz von den Patienten in der Regel akzeptiert und bis zu einem gewissen Grad toleriert. Bei starken akuten Schmerzen ist die Gabe von Analgetika von Bedeutung, damit die Schmerzen nicht anhalten und gegebenenfalls chronifizieren.
 

Chronischer Schmerz

Wenn Schmerzen länger als sechs Monate anhalten, bezeichnen Mediziner sie als chronisch. Auch immer wiederkehrende Schmerzen wie z.B. Migräne gelten als chronische Schmerzen, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten.

Werden chronische Schmerzen nicht adäquat behandelt, kommt es zu einer langen Leidensphase der betroffenen Patienten und oftmals zu weitreichenden zusätzlichen Komplikationen. Die Patienten zeigen häufig eine zunehmende körperliche Inaktivität mit folgender sozialer Isolation.

Sie können eine dysphorische Stimmung bis hin zur Depression entwickeln, ihr Selbstwertgefühl ist stark beeinträchtigt. Chronische Schmerzen können zur physischen, psychischen und sozialen Zermürbung des Patienten führen.

 

...nach Ätiologie

Schmerzen lassen sich nach ihrer Ätiologie (bzw. nach pathogenetischen Kriterien) in Nozizeptorschmerz, neuropathischen Schmerz und durch psychologische Mechanismen (mit-) bedingte Schmerzen einteilen. Bei klinischen Schmerzsyndromen wie z.B. Tumorschmerz sind häufig mehrere pathogenetische Mechanismen beteiligt („Mixed Pain”).

 

  • Nozizeptorschmerzen
    Der Nozizeptorschmerz ist der „Prototyp” des akuten Schmerzes. Durch eine Gewebeschädigung kommt es zur direkten Erregung der Schmerzrezeptoren. Je nach Entstehungsort werden somatische und viszerale Schmerzen unterschieden.
    Die somatischen Schmerzen werden nochmals unterteilt in einen oberflächlichen Schmerz aus Haut oder Schleimhaut sowie einen tiefen Schmerz, der von Muskulatur, Knochen oder Gelenken ausgeht. Der tiefe somatische Schmerz besitzt einen eher dumpfen Charakter, während der oberflächliche Schmerz aus einer frühen hellen und einer späteren dumpfen Komponente besteht.
    Der viszerale oder Eingeweideschmerz ist dumpf und schlecht lokalisierbar, wird öfters von vegetativen Reaktionen begleitet und kann in korrespondierende Head-Zonen im Bereich der Haut ausstrahlen („übertragener Schmerz”).
     
  • Nozizeptive, entzündungsbedingte Schmerzen
    Neben den Schmerzreizen, die von außen auf den Körper einwirken, können auch körpereigene Schmerzmediatoren chemische Reize und damit Schmerzen auslösen. Häufig ist dies bei Entzündungen der Fall.
    Die endogenen Entzündungsmediatoren werden nach entsprechendem Reiz freigesetzt oder synthetisiert und sind pathophysiologisch an der Entstehung einer Entzündung beteiligt. Die Entzündungsmediatoren führen zur direkten Erregung von Nozizeptoren (Spontanschmerzen im Bereich des Entzündungsgebietes) bzw. zur Sensibilisierung, d.h. zu einer Schwellensenkung von Nozizeptoren (Dauerschmerzen bei chronisch entzündlichen Erkrankungen). Quelle der Entzündungsmediatoren sind verletzte Gewebszellen (ATP, K+, Enzyme, Prostaglandine, H+ u.a.), Blut und Plasma (Bradykinin), Thrombozyten (Serotonin), Mastzellen (Histamin, Nervenwachstumsfaktor NGF u.a.) sowie Leukozyten (Zytokine, Prostaglandine, Leukotriene u.a.).
    Zu dieser Art entzündlichen Nozizeptorschmerzes zählt beispielsweise die rheumatoide Arthritis
     
  • Neuropathische Schmerzen
    Bei neuropathischen Schmerzen besteht eine Schädigung der Nervenfasern. Der Schmerzimpuls geht nicht von den Nervenendigungen aus, sondern aus dem Nervenverlauf. Der Schmerz wird jedoch in das Versorgungsgebiet der Nerven projiziert („projizierter Schmerz“). Neuropathische Schmerzen können aus einer Reihe von Krankheiten oder Verletzungen entstehen. Dabei kann die primäre Schädigung jede Ebene des schmerzverarbeitenden Systems betreffen, z.B. das periphere Nervensystem, Hirnnerven, Spinalwurzeln, das Rückenmark oder Gehirn.
     
  • Dysfunktionale Schmerzen
    Diese Art von Schmerzen wird eher von psychischen Vorgängen beim Leidenden als durch unmittelbare physiologische Ursachen ausgelöst. Zu dieser Schmerzart zählen etwa somatoforme Schmerzstörungen wie die Fibromyalgie. Rein durch psychologische Mechanismen verursachte Schmerzen werden in ihrer Häufigkeit jedoch oftmals überschätzt, tatsächlich sind sie eher selten. Ungeachtet dieser Tatsache kommen gerade bei chronischen Schmerzleiden häufig psychische Komponenten sekundär hinzu, so dass dann Mischformen (z.B. psychosomatische Schmerzen) vorliegen. Diese psychologischen Komponenten ergeben sich aus psychodynamischen Mechanismen, etwa Verlusterlebnissen, oder aber verhaltensmedizinischen Prozessen, etwa operanten Lernprozessen (Belohnung des Schmerzverhaltens).
     

 

...nach Qualität

Die vom Patienten beschriebene Schmerzqualität kann bereits erste Hinweise auf die Ätiologie der Schmerzen geben. Dabei kann die Beschreibung neben affektiven Aspekten der Schmerzqualität auch sensorische Aspekte aufweisen:

Die affektive Schmerzqualität beschreibt die subjektive Schmerzbedeutung für den Patienten (z.B. quälend, lähmend, heftig …).

Die sensorische Schmerzqualität schildert die eigentliche Wahrnehmung (z.B. stechend, drückend, dumpf, brennend, klopfend …).

Mögliche Zusammenhänge zwischen Schmerzqualität und Schmerzart können sein:

Schmerzqualität Schmerzart
Dumpf, drückend, ziehend, stechend Nozizeptorschmerzen
Brennend, kribbelnd, elektrisierend,… Neuropathische Schmerzen
Pulsierend, pochend Migräne, entzündliche Schmerzen
Krampfartig, kolikartig Viszerale Schmerzen
Stark affektive Beschreibung Somatoforme Schmerzen

Quelle:
http://flexikon.doccheck.com/de/Schmerz?utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

 

...nach Intensität

Aus Gründen der Schmerzerfassung und Verlaufs- bzw. Therapiekontrolle, sollte der Schmerz quantitativ erfasst werden. Da keine objektive Schmerzmessung möglich ist, wird dabei auf die Methode der skalierten Selbstauskunft zurückgegriffen. Üblicherweise erfolgt die Schmerzmessung durch Selbstauskunft des Patienten anhand von Schmerzfragebögen oder Schmerzskalen. Die am häufigsten verwendeten Instrumente zur Messung der Schmerzintensität sind numerische oder verbale Ratingskalen (z.B. VAS, VRS, NRS).So kann der Patienten etwa auf der numerischen Ratingskala ein Feld zwischen 0 und 10 angeben, wobei 0 „kein Schmerz” und 10 „maximal vorstellbarer Schmerz” bedeutet.

Die Schmerzintensität wird differenziert erhoben für Ruhe- und Belastungsschmerz, die aktuellen Schmerzen während des Gesprächs und die durchschnittliche Schmerzintensität der letzten 24 Stunden. Außerdem sollte erfragt werden, welche Schmerzstärke für den Patienten als zufrieden stellende Schmerzlinderung angesehen wird.

Bei chronischen Schmerzen kommt auch die Erfassung über einen längeren Zeitraum in Form eines

Schmerztagebuchs in Betracht.


Quelle:
http://flexikon.doccheck.com/de/Schmerz?utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch

 

...nach Lokalisation

Bei der Anamnese spielen die Schmerzlokalisation und die Beschreibung der Schmerzausbreitung eine große Rolle. Beides kann wichtige Hinweise auf die Schmerzursache sowie die Pathophysiologie geben.

Leitfragen sind hierbei: Wo sitzt der Schmerz? Wo ist das Schmerzmaximum? Wohin strahlen die Schmerzen aus?

Am besten zeichnen die Patienten die Lokalisation ihrer Schmerzen in ein einfaches Körperschema ein, etwa Kopf, Bauch, Rücken, Gelenke u.ä. Dadurch können die gesamten schmerzhaften Körperareale sowie gegebenenfalls auch eine Ausstrahlung der Schmerzen („referred pain“) leicht dokumentiert werden.


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