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Daten und Fakten

Chronischer Schmerz

Anzahl chronischer Schmerzpatienten in der BRD

In Deutschland leben rund 15 Millionen chronisch Schmerzkranke. Dies entspricht etwa 17 Prozent der Gesamtbevölkerung.1

Ein Großteil der Schmerzpatienten leidet unter Schmerzen des Bewegungsapparates. Verursacht werden diese meist durch rheumatische Erkrankungen, Osteoporose, degenerative oder entzündliche Gelenkerkrankungen, meistens jedoch durch Rückenleiden.2

So haben etwa 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer in Deutschland Rückenschmerzen, die mindestens drei Monate anhalten und sich täglich oder nahezu täglich bemerkbar machen.3

Neben all diesen Krankheiten des Bewegungsapparates führen auch Erkrankungen des Nervensystems und Tumorerkrankungen zu chronischen Schmerzen. Mehr als 430.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Krebs.4

Etwa 50 bis 70 Prozent aller Krebspatienten sind von Tumorschmerzen betroffen. Sie können in jedem Stadium der Erkrankung auftreten. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto häufiger treten Schmerzen auf. In Deutschland leiden schätzungsweise 220.000 Menschen an behandlungsbedürftigen Tumorschmerzen.5

Besonders viele chronische Schmerzpatienten gibt es unter älteren Menschen: Bei denen, die in ihrem eigenen Haushalt leben, liegt der Anteil bei mehr als 50 Prozent, bei Heimbewohnern sind es sogar 80 Prozent.
Zu den häufigsten Schmerzursachen zählen in dieser Gruppe zählen: muskuloskelettale Erkrankungen wie Hüft- und Kniegelenksarthrose, degenerative Wirbelsäulenerkrankungen oder Osteoporose, Neuropathien wie Polyneuropathien, Postzoster-Neuralgien, Trigeminus-Neuralgien oder Phantomschmerzen sowie onkologische Leiden.

Quellen:
1 Wolff et al. Schmerz 2011; 25(1): 26 - 44
2 Rückengesundheit. Zusammenfassung der Ergebnisse einer Repräsentativbefragung des BKK Bundesverbandes, Befragungszeitraum: Juni 2004.
3 Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt, Gesundheit in Deutschland, Robert Koch-Institut, Juli 2006
4 Krebs in Deutschland 2003-2004, Häufigkeiten und Trends. 6. überarbeitete Auflage. Robert-Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg.), Berlin 2008
5 http://dgs-praxisleitlinien.de/files/6313/6308/0857/120913_Wegweiserkarte_Tumorschmerz.pdf

 

Schmerzversorgung in Deutschland

Für etwa drei bis fünf Millionen Schmerzpatienten in Deutschland ist eine besondere schmerztherapeutische Versorgung erforderlich, die ein hohes Maß an qualitativen und organisatorischen Anforderungen erfüllen muss. Diese sind unter anderem in der „Qualitätssicherungsvereinbarung zur schmerztherapeutischen Versorgung chronisch schmerzkranker Patienten“ (QSV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verankert. Bundesweit erfüllen 1.027 Ärzte die Voraussetzungen für die Teilnahme an der Qualitätssicherungsvereinbarung.1

Vailde Zahlen darüber, wie viele Ärzte verschiedener Fachrichtungen an der Versorgung chronischer Schmerzpatienten beteiligt sind, gibt es für Deutschland bis heute nicht:

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. nennt aufgrund von Daten-Analysen der Landesärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen für das Jahr 2010 eine Zahl von 1.479 Schmerztherapeuten und 1.284 Palliativmedizinern und schätzt die Zahl der schmerztherapeutischen Einrichtungen auf 370 (ohne Bayern).2

Das Mitgliederverzeichnis „Schmerztherapieführer Deutschland“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., der größten europäischen Schmerzfachgesellschaft, umfasste im Jahr 2008 rund 4000 Anschriften. Darunter 276 Schmerzspezialisten, welche die verbandsinterne Qualifikation der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. „Algesiologe DGS“ erworben haben.

Ebenfalls aufgelistet sind 20 psychologische schmerztherapeutische Einrichtungen, die nach den Richtlinien der Gesellschaft qualifiziert sind. Hinzu kommen 181 regionale Schmerzzentren, die regelmäßige Schmerzkonferenzen und Weiterbildungsveranstaltungen organisieren.3

Neben den Schmerztherapeuten kümmern sich auch Ärzte anderer Fachrichtungen wie Orthopäden, Allgemeinärzte und Psychotherapeuten um Schmerzpatienten. Auch deren Anzahl ist nirgends erfasst. Eine Untersuchung des Berufsverbands der Ärzte und psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD) unter 302 Personen nennt als am stärksten vertretene Fachgruppen in der Versorgung von Schmerzpatienten Anästhesisten mit 70 Prozent, Allgemeinmediziner mit 12 Prozent, Orthopäden mit 7 Prozent und psychologische Psychotherapeuten mit knapp fünf Prozent. Am häufigsten ist eine Kombination aus Anästhesie und Allgemeinmedizin vertreten, gefolgt von der Kombination Orthopädie und Physikalische sowie Rehabilitative Medizin.1

Quellen:
1 Weißbuch Schmerzmedizin 2012, herausgegeben vom Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD)
http://www.bv-schmerz.de/medien/pdf/weissbuch%20-%20druckversion%20final%20120612.pdf
2 Schriftenreihe Health Technology Assessment, Bd. 111: Versorgungssituation in der Schmerztherapie in Deutschland im internationalen Vergleich hinsichtlich
Über-, Unter- oder Fehlversorgung, herausgegeben vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln
http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta301_bericht_de.pdf
3 Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. zum Schmerztherapieführer 2008, September 2008

 

Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit: Laut einer Erhebung von Neuhauser, Ellert und Ziese aus dem Jahr 2005 leiden in Deutschland bis zu 60 Prozent der Männer und bis zu 68 Prozent der Frauen mindestens einmal im Jahr unter Rückenschmerzen.

Eine aus den BARMER GEK-Daten ermittelbare Prävalenz von Rückenschmerzen im Jahr 2008 beträgt rund 37 Prozent. Davon erhielten 13 Prozent der Versicherten die Diagnose in einem Quartal, 23 Prozent – dies entspricht rund zwei Millionen Menschen – sogar in mindestens zwei Quartalen.

Bei Männern sind Rückenschmerzen mit 14 Prozent die häufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit, bei Frauen mit elf Prozent die zweithäufigste.

Wegen der Gefahr der Chronifizierung und der daraus resultierenden hohen Behandlungskosten haben Rückenleiden eine besonders hohe Bedeutung für die Sozialsysteme: Zu den direkten Behandlungskosten kommen häufig hohe indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle hinzu.

Umso wichtiger ist es, Betroffene möglichst schnell adäquat zu behandeln, zu mobilisieren und wieder arbeitsfähig zu machen.

Zu den Behandlungsverfahren, die bei chronischen Rückenschmerzpatienten besonders häufig durchgeführt werden, zählen Operationen an den Bandscheiben und Wirbelkörpern, die multimodale Schmerztherapie als Krankenhausbehandlung sowie die interventionelle Schmerztherapie als Injektionsbehandlung mit und ohne bildgebende Diagnostik im ambulanten und stationären Bereich.

Diese Verfahren unterscheiden sich jedoch erheblich in der Höhe der durchschnittlichen Fallkosten sowie in der so genannten „back to work rate“ (Erhalt der Arbeitsfähigkeit bzw. Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit).
Besonders günstig auf die Arbeitsfähigkeit wirken sich multimodale Behandlungsprogramme aus, also ein Mix aus Analgetika, psychotherapeutischen Verfahren und Entspannungsverfahren sowie physikalischen Therapien.

Voraussetzung hierfür ist aber, dass eine manifeste oder drohende Beeinträchtigung der Lebensqualität und/oder der Arbeitsfähigkeit ebenso besteht wie der Fehlschlag einer vorherigen unimodalen Schmerztherapie, eines schmerzbedingten operativen Eingriffs oder einer Entzugsbehandlung.

Laut BARMER GEK zeigt sich vor allem in der Gruppe der nicht berenteten Versicherten, dass trotz hoher Therapiekosten die Gruppe mit multimodaler Behandlung in den Folgejahren den günstigsten Kostenverlauf zeigt.

Notwendige und wichtige Voraussetzungen für eine mutimodale Behandlung sind die von der Ad-hoc-Kommission „Multimodale Schmerztherapie“ der Deutschen Schmerzgesellschaft formulierten Empfehlungen. Dazu gehören vor allem struktur- und prozessqualitative Merkmale, wie ein interdisziplinäres Assessment vor Beginn des Programms, eine hohe Behandlungsintensität von mehr als 100 Stunden, regelmäßige Teamsitzungen und die Fokussierung auf die Wiederherstellung der körperlichen und sozialen Funktionsfähigkeit.


weiterhin eine medizinische und ökonomische Herausforderung darstellen. Die Zuweisung der Patienten zu der Therapie, von der sie am meisten profitieren, wird zukünftig noch an Bedeutung zunehmen.


Quelle:
BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2012



Prinzip der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (https://www.uniklinik-freiburg.de/schmerzzentrum/therapien-fuer-schmerzpatienten/multimodale-schmerztherapie.html)

 

 

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