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Syndrome/
Indikationen

Akuter Schmerz

Viszerale Schmerzen

Der viszerale Schmerz oder Eingeweideschmerz entsteht durch eine Gewebeschädigung. Er zählt zu den Nozizeptorschmerzen und ist der „Prototyp” des akuten Schmerzes.

Viszerale Schmerzen sind nicht immer mit einer Verletzung von Organen verbunden und schlecht lokalisierbar, da sie häufig von vegetativen Reaktionen begleitet werden und in andere Regionen ausstrahlen können.

Patienten charakterisieren viszerale Schmerzen als bohrend, hell, plötzlich einsetzend, extrem stark, kolikartig, dumpf, drückend, brennend, langsam beginnend sowie gekoppelt mit Kontraktionsschmerzen.

Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Obstipation (bis zum Darmstillstand), langsame oder sehr schnelle Herzfrequenz, niedriger oder sehr hoher Blutdruck.

Viszeraler Schmerz ist

  • nicht von allen Viszeralorganen auslösbar (z.B. schmerzunempfindliches Leber- und Lungenparenchym)
  • nicht immer mit einer Verletzung von Organen verbunden
  • meist diffus und schlecht lokalisierbar
  • durch Projektion in andere Regionen gekennzeichnet (übertragener Schmerz)
  • meist begleitet von motorischen (z.B. Abwehrspannung der Bauchdecke) und autonomen Reflexen (z.B. Schwitzen, Blässe, Blutdruck- und Herzfrequenzänderungen).

 

Myokardinfarkt

Eine besondere Form des Schmerzes empfinden Herzinfarktpatienten. Sie entwickeln extrem starke Schmerzen mit Vernichtungsgefühl, den sogenannten Vernichtungsschmerz. Dieser Thoraxschmerz stellt einen Prototyp besonders bedrohlich erlebter viszeraler Schmerzen dar.

Durch Verengung oder Verschluss von Herzkranzarterien kommt es zum Sauerstoffmangel im Herzmuskel. Dieser führt zu ischämischen Schmerzen oder Engegefühl in der Brustmitte, bzw. in der Herzgegend. Meist klagen Betroffene zusätzlich über Schmerzen im linken Arm oder Halsbereich.

Typische Symptome sind vernichtende retrosternale Schmerzen zusammen mit Symptomen des vegetativen Nervensystems (Blässe, Diaphorese, Übelkeit, Erbrechen, Dyspnoe). Etwa 20 Prozent der Herzinfarktpatienten haben keine Schmerzen, dies ist vor allem bei Diabetikern der Fall.

Weitere 20 Prozent berichten von einem Ausstrahlen der Schmerzen in den linken Arm, in Hals, Unterkiefer oder Oberbauch (vor allem bei Hinterwandischämie). Weniger häufig strahlen die Schmerzen in die rechte Seite aus.

Wichtigstes Untersuchungsverfahren in der Akutphase ist das EKG. Dabei gilt der ST-Strecke besonderes Augenmerk. So genannte Biomarker (Troponin, ersatzweise CK-MB) sind im Blut drei bis sechs Stunden nach einem Herzinfarkt in erhöhter Konzentration messbar. Bei diagnostischer Unklarheit kann die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) helfen. Die Angiografie der Herzkranzgefäße im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung erlaubt den direkten Nachweis von Verschlüssen und Verengungen der Herzkranzgefäße.

Die pathophysiologischen Vorgänge führen oft zu einem Circulus vitiosus: Die Sympathikusaktivierung führt zur Erhöhung der Herzarbeit, die aufgrund des gesteigerten Sauerstoffverbrauchs zu einer Verschlimmerung der Situation beiträgt. Dieser Teufelskreis kann durch eine angemessene Analgesie unterbrochen werden.

Die Behandlung von Herzinfarktpatienten erfordert eine kausale Therapie mittels Vorlastsenkung, Sauerstoffgabe und Sedierung.

Zur Schmerzbehandlung von Herzinfarktpatienten wird primär Morphin empfohlen. Neben der starken analgetischen Wirkung besitzt es im Vergleich zu anderen Opioiden außerdem eine stärkere sedative Komponente.

 

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten (chronischen) Schmerzsyndromen. Es existieren mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen.

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterteilt Kopfschmerzen in primäre und sekundäre Kopfschmerzen, kraniale Neuralgien, zentrale und primäre Gesichtsschmerzen sowie sonstige Kopfschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen sind eine eigenständige Erkrankung und nicht Symptom einer anderen Störung. Zu ihnen gehören beispielsweise Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz. Die Diagnose der primären Kopfschmerzen erfolgt anhand der Anamnese und klinischen Untersuchung. Es muss jedoch immer ein sekundäres Kopfschmerzgeschehen als Folge einer organischen Schädigung, wie z.B. Gehirnblutung oder -tumor, ausgeschlossen werden.

Kopfschmerzerkrankungen erfordern unterschiedliche Therapieansätze. Um eine adäquate Behandlung einzuleiten, ist genaue Kopfschmerzdiagnose wichtig.


Elemente der detaillierten Anamnese können sein:

  • Schmerzlokalisation (z.B. ganzer Kopf, eine Kopfhälfte, streng einseitig oder wechselnd)
  • Schmerzcharakter (z.B. dumpf, ziehend oder klopfend, pulsierend etc.)
  • Erstmaliges Auftreten (z.B. zeitlicher Zusammenhang mit anderen Erkrankungen oder Operationen)
  • Schmerzdauer, schmerzfreie Intervalle
  • Gründe für Zu- oder Abnahme der Beschwerden, Triggerfaktoren (Stress, körperliche Belastung)
  • Begleitbeschwerden (z.B. Photo- und Phonophobie, Übelkeit, Erbrechen)
  • Analgetikaanamnese (z.B. medikamenteninduzierter Kopfschmerz )
  • Familienanamnese (z.B. genetisch bedingte Migräne)
  • Familiäre Belastung, soziales Umfeld (psychologische Komponente)


Sekundäre Kopfschmerzen sind die Folge von organischen Schäden. Zum Ausschluss dieser sekundären Kopfschmerzursachen sind neben einer genauen Anamnese oftmals weitere Untersuchungen (z.B. Röntgen, kranielle Computertomografie) indiziert.

Ursachen sekundärer Kopfschmerzen können sein

  • Intrakranielle Gefäßprozesse oder -blutungen (z.B. Hirninfarkt)
  • Raumforderungen (z.B. Meningeom, Glioblastom, Hirnabszess)
  • Herz-/Kreislauferkrankungen (z.B. Hypertonie)
  • Entzündungen (z.B. Meningitis)
  • Extrakranielle Ursachen (z.B. Sinusitis, Glaukom, Zahnschmerzen)
  • Arzneimittelmissbrauch (Einnahme einer Akutmedikation über mehr als 10 Tage/Monat)

 

Kopfschmerztagebuch
Empfehlen Sie Ihrem Patienten, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Es dient einerseits der Bestimmung von Art, Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzen und kann damit auch zur Entscheidung für eine prophylaktische Medikamentengabe herangezogen werden. Andererseits ermöglicht es eine Therapiekontrolle. Eventuell auftretende Begleitbeschwerden sind auch zu dokumentieren


 

Tumorschmerzen

Nahezu alle Tumorpatienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung an Schmerzen. Im Frühstadium leiden 35 bis 45 Prozent der Patienten an Schmerzen, im fortgeschrittenen Stadium ungefähr 70 Prozent. Im Terminalstadium leiden nahezu alle Patienten an Schmerzen. Ausgelöst werden die Schmerzen durch den Tumor selbst oder durch die Therapie (Ätiologie) und erfordern je nach Pathogenese zur Behandlung unterschiedliche Medikamente.

Je nach Ätiologie werden unterschieden

  • Tumorbedingte Schmerzen (60 - 90%), die der Tumor selbst auslöst. Sie entstehen durch Infiltration oder Kompression von Hohlorganen, Weichteilen, Knochen oder Nerven.
  • Tumorassoziierte Schmerzen (10 - 25%), die in Verbindung mit dem Tumor stehen. Als Beispiel kann die Post-Zoster-Neuralgie genannt werden, die aufgrund der tumorbedingten Zunahme des Verbrauchs an humoralen Antikörpern mit nachfolgender Virusvermehrung auftreten kann.
  • Therapiebedingte Schmerzen (5 - 20%), die infolge einer medikamentösen Therapie oder einer Bestrahlung entstehen, sowie postoperativer Schmerz. Als Folge des immunsuppressiven Effekts von Zytostatika kann Herpes Zoster ebenfalls mit der Tumortherapie in Zusammenhang stehen.
  • Tumorunabhängige Schmerzen (3 - 10%), die weder durch den Tumor noch dessen Behandlung verursacht werden wie z.B. Kopfschmerzen, Schmerzen bei Osteoarthritis u.ä.

Je nach Pathogenese werden unterschieden

  • Somatische Nozizeptorschmerzen, die durch Reizung von Nozizeptoren in der Haut oder Muskulatur entstehen. Die Reizung der Nozizeptoren kann entweder durch den Tumor selbst oder durch eine begleitende Entzündungsreaktion ausgelöst sein. Somatische Nozizeptorschmerzen werden in der Regel als bohrend, stechend oder drückend beschrieben.
     
  • Viszerale Nozizeptorschmerzen: Sie werden durch die Organinfiltration durch den Tumor ausgelöst und der Schmerz wird oftmals auf die entsprechenden Hautareale übertragen (übertragener Schmerz). Die Schmerzqualität wird in der Regel als dumpf und diffus sowie schwer lokalisierbar beschrieben. Bei Befall eines Hohlorgans können die Schmerzen auch krampfartig sein.
     
  • Neuropathische Tumorschmerzen: Sie entstehen durch Infiltration oder Kompression von peripheren oder zentralen Nerven durch den Tumor oder Metastasen. Die Schmerzen werden meist in das Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven projiziert und als brennend, stechend und elektrisierend beschrieben. Sie können dauernd oder wiederkehrend auftreten und mit Sensibilitätsstörungen und erhöhter Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie, Allodynie) einhergehen.
     
Interdisziplinäre Behandlung
Häufig sind bei klinischen Schmerzsyndromen wie dem Tumorschmerz mehrere pathogenetische Mechanismen beteiligt („mixed pain”). Abhängig vom Einzelfall kann es nötig sein, zur Behandlung einen Onkologen oder anderen Spezialisten hinzuzuziehen.

 

Neuropathische Schmerzen

Bei neuropathischen Schmerzen besteht eine Schädigung der Nervenfasern. Der Schmerzimpuls geht nicht von den Nervenendigungen aus, sondern aus dem Nervenverlauf. Der Schmerz wird jedoch in das Versorgungsgebiet der Nerven projiziert („projizierter Schmerz“).

Neuropathische Schmerzen können aus einer Reihe von Krankheiten oder Verletzungen entstehen. Dabei kann die primäre Schädigung jede Ebene des schmerzverarbeitenden Systems betreffen, z.B. das periphere Nervensystem, Hirnnerven, Spinalwurzeln, das Rückenmark oder Gehirn.

In der Regel werden sie nach dem Gebiet der Läsion (Lokalisation) sowie der zugrundeliegenden Ursache eingeteilt:


Gebiet der Läsion

  • Schmerzhafte periphere Neuropathien: Sie haben ihren Ursprung in einer Verletzung des peripheren Nervs, des Plexus, der dorsalen Wurzelganglien oder der Wurzel. Beispiele sind postherpetische Neuralgie (PHN), diabetische Polyneuropathie (DPN), Phantomschmerzen in Gliedmaßen, HIV-bedingte Polyneuropathie, Trigeminusneuralgie, posttraumatische periphere schmerzhafte Neuropathie und postoperative periphere Neuropathie.
     
  • Zentrale Schmerzsyndrome: Sie können ihre Ursache in einer Gefäßschädigung im Gehirn – Hirnstamm oder Thalamus – oder im Rückenmark haben, etwa nach traumatischer Verletzung, Infarkt oder Blutung von Hirn- oder Rückenmark. Auch Krankheiten wie Syringomyelie, Multiple Sklerose oder Parkinson können Auslöser sein.
     
  • Gemischte Schmerz-Syndrome sind etwa Rückenschmerzen mit Radikulopathie oder Tumorschmerzen mit malignem invasiven Wachstum in den Plexus.
     
  • Komplexe regionale Schmerzsyndrome (CRPS = Complex Regional Pain Syndrome) können sich als Reaktion auf ein Trauma entwickeln. Sie werden der Kategorie komplexe schmerzhafte neuropathische Erkrankungen zugeordnet.


Ursachen

Peripher

  • Mononeuropathien (traumatisch), periphere Kompressionssyndrome
  • Polyneuropathien (toxisch, metabolisch, infektiös, etc.)
  • Plexusläsionen
  • CRPS I und II

Hirnnerven

  • Neuralgien (Trigeminusneuralgie)
  • Neuropathien

Radikulär

  • Wurzelkompressionssyndrome
  • Radikulitis, Ganglionitis
  • Post-Zoster-Neuralgie

Spinal

  • Trauma
  • Syringomyelie

Zerebral

  • Schlaganfall (Infarkt oder Blutung)
  • Tumor
  • Multiple Sklerose


Betroffene charakterisieren die Schmerzqualität meist als konstant brennende und/oder dumpfe Schmerzen, teilweise auch als anfallsartig einschießend.

Oft treten mit neuropathischen Schmerzen weitere neurologische Begleitsymptome auf, wie Hypoästhesie, Hyperästhesie, Allodynie, Dysästhesie oder Parästhesie. Da die Schmerzen ausstrahlen, ist oft keine eindeutige Lokalisation möglich.

Neuropathische Schmerzen zählen zu den häufigsten Schmerzarten und stellen sowohl für den Patienten als auch für den Arzt eine Herausforderung dar. Für eine zufriedenstellende Prognose sind eine frühzeitige Diagnosestellung und die optimale Therapie unerlässlich.

 

Myofasziale Schmerzen

Das Myofasziale Schmerzsyndrom (MPS) ist eine schmerzhafte muskuloskelettale Erkrankung. Am häufigsten betrifft es den Kopf- und Halsbereich, den Schultergürtel sowie die Lumbal- bzw. untere Rückenregion.
Charakteristisch sind schmerzhafte Triggerpunkte (TP), auch Foci genannt, die nach Aktivierung empfindlich werden und den Schmerz nach einem bestimmten Muster in andere Körperregionen projizieren.

Ein Triggerpunkt, meist nur wenige Millimeter groß, ist eine übererregbare Stelle der Skelettmuskulatur oder der Muskelfaszie. Der Punkt ist druckschmerzhaft und kann einen charakteristischen Übertragungsschmerz (referred pain) sowie Empfindlichkeit und autonome Phänomene hervorrufen.

Triggerpunkte finden sich vorwiegend in der Hals-, Schulter-, Beckengürtel- und Kaumuskulatur. Die meisten Triggerpunkte sind mit Akupunkturpunkten identisch.

Ursache für die Entstehung von myofaszialem Schmerz ist eine Verletzung der myofaszialen Strukturen und eine akute Muskelüberlastung, die die Triggerpunkte aktiviert. Sogar kleinere Traumata können dann Schmerz auslösen.

Es existieren zahlreiche Faktoren, die die Schmerzen verstärken (aggravierende Faktoren) und fortbestehen lassen (perpetuierende Faktoren), darunter eine dauerhaft schlechte Haltung, repetitive Bewegungen, exzessiver Sport, Bewegungsmangel, nervliche Anspannung oder Stress sowie Vitaminmangel.

Symptome myofaszialer Schmerzen sind unter anderem Muskelschwäche, eingeschränkte Beweglichkeit und asymmetrische, dumpfe Muskelschmerzen in einer bestimmten Körperregion. Sie gehen von myofaszialen Triggerpunkten aus und oft mit einer Reihe anderer sensorischer, motorischer und vegetativer Phänomene einher. Durch bestimmte Bewegungen verschlechtern sich die Symptome.

Häufig strahlt der Schmerz aus. Dieser projizierte Schmerz belastet den Patienten meist stärker als die Empfindlichkeit des Triggerpunktes.

Myofaszialer Schmerz ist ein sehr häufiges Leiden. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Obwohl der Altersgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr liegt, kann er auch bei Kindern vorkommen.
Gelegentlich kann es schwierig sein, ein myofasziales Schmerzsyndrom von der Fibromyalgie zu unterscheiden. Eine genaue Anamnese ist daher unerlässlich.


 

Rückenschmerzen

Die Lebenszeitprävalenz von Rückenschmerzen wird in Industrieländern mit über 70 Prozent angegeben1,2. Akute Rückenschmerzen werden als selbstlimitierend betrachtet, die Heilungsrate liegt bei etwa 90 Prozent in sechs Wochen. Ein geringerer Teil der Patienten (zwei bis sieben Prozent) entwickelt jedoch chronische Beschwerden. Die hohen Gesundheitskosten, die mit dieser Erkrankung verbunden sind, werden jedoch in erster Linie von diesen chronischen Schmerzpatienten verursacht.

Für Rückenschmerzen gibt es zahlreiche Risikofaktoren, z.B. schweres Heben, Fahren von Kraftfahrzeugen, Joggen, schwach ausgebildete Rumpfmuskulatur, Rauchen sowie schlechte psychosoziale Bedingungen.


Klassifikation

Grundsätzlich wird zwischen akuten, subakuten und chronischen Rückenschmerzen unterschieden3.

Je nachdem, ob neurologische Symptome und Zeichen vorhanden sind oder nicht, lassen sich sowohl akute als auch chronische Rückenschmerzen weiter unterteilen.

Nicht-radikuläre Rückenschmerzen werden im Vergleich zu radikulären Rückenschmerzen nicht von neurologischen Symptomen oder Zeichen begleitet.

Bei chronischen Rückenschmerzen kann in nur zehn Prozent der Fälle eine spezifische Ursache gefunden werden, meist bleibt die genaue Ätiologie ungeklärt („unspezifische Rückenschmerzen”).


Radikuläre Rückenschmerzen

Eine radikuläre Symptomatik tritt bei circa zehn Prozent aller Rückenschmerzpatienten auf. Radikuläre Rückenschmerzen entstehen durch Druck auf die Spinalnervenwurzeln. Sie strahlen vom unteren Rückenbereich entsprechend dem Verlauf des betroffenen Spinalnervs in die untere Extremität aus.

Die Kompression der Spinalnerven kann durch eine knöcherne Stenose bedingt sein (z.B. enger Spinalkanal, laterale Wurzelkanalstenose) oder häufiger durch einen Bandscheibenvorfall. Die Schmerzen scheinen weniger von der prolabierten Bandscheibe selbst hervorgerufen zu werden, als vielmehr durch die begleitende lokale Entzündung und Schwellung. Diese Tatsache erklärt auch die oftmals beobachtete Diskrepanz zwischen dem Ausmaß eines Bandscheibenvorfalls und den bestehenden Schmerzen. In der Regel sind die Wurzeln L5 und S1 betroffen.

Charakteristisch ist ein stechender, einschießender oder brennender Schmerz. Im Bein oder Gesäßbereich sind die Schmerzen stärker ausgeprägt als im Rücken, zudem ist die Muskelkraft vermindert.


strong>Nicht-radikuläre Rückenschmerzen

Nicht-radikuläre (unspezifische) Rückenschmerzen sind sehr viel häufiger als radikuläre Schmerzen und treten in circa 90 Prozent der Fälle auf. Die Schmerzen betreffen meist Rücken und Gesäß ohne Ausstrahlung in die Beine.

Charakteristisch für diese Erkrankung ist die unspezifische Ätiologie. Die Schmerzen können durch Fehlstellung der Gelenke, Muskeln und Bänder oder weniger häufig durch vertebrale Bandscheibenveränderungen ohne Prolaps verursacht werden. Oftmals entsteht ein Teufelskreis: Schmerzen führen zu Schonhaltung und unphysiologischen Belastungen mit sekundären Muskelveränderungen, diese wiederum verstärken den Schmerz.

Patienten empfinden den Schmerz als dumpf oder ziehend, einseitig oder beidseitig im Rücken- oder Gesäßbereich. Oft tritt eine Besserung durch Bewegung ein.

Neuropathische Komponente bei Rückenschmerzen

Ob akut oder chronisch, bei den meisten Rückenschmerzen spielen sowohl nozizeptive als auch neuropathische Mechanismen eine Rolle [4-6], allerdings in unterschiedlichem Ausmaß: Bei akuten Rückenschmerzen treten neuropathische Schmerzen bei schätzungsweise vier Prozent der Bevölkerung auf 4. Bei chronischen Rückenschmerzen liegt eine neuropathische Schmerzkomponente bei bis zu 90 Prozent der Patienten vor5.

Neuropathische Schmerzen gehen typischerweise mit einer schwereren Komorbidität einher als nozizeptive Schmerzen und sind außerdem häufig mit einer schlechteren Lebensqualität verbunden 6.


Quellen:
1 Vazquez-Delgado E, Cascos-Romero J, Gay-Escoda C. Myofascial pain associated to trigger points: a literature review. Part 2: differential diagnosis and treatment. Med Oral Patol Oral Cir Bucal 2010;15:e639-43.
2 Vazquez-Delgado E, Cascos-Romero J, Gay-Escoda C. Myofascial pain syndrome associated with trigger points: a literature review. (I): Epidemiology, clinical treatment and etiopathogeny. Med Oral Patol Oral Cir Bucal 2009;14:e494-8.
3 Borg-Stein J, Simons DG. Focused review: myofascial pain. Arch Phys Med Rehabil 2002;83:S40-7, S48-9.
4 Simons DG. Symptomatology and clinical pathophysiology of myofascial pain. Schmerz 1991;5:S29-37.
5 Mehra M, Hill K, Nicholl D, Schadrack J. The burden of chronic low back pain with and without a neuropathic component: a healthcare resource use and cost analysis. J Medical Economics 2012;15:245-52.
6 Simons DG, Travell JG, Simons LS. Travell & Simons’ myofascial pain and dysfunction, The trigger point manual. 2nd ed. Baltimore: Williams & Wilkins, 1999-. v. <1 >. ISBN: 9780683083675. Available from: www.worldcat.org/oclc/39539883.

 

Entzündliche Gelenkschmerzen

Mehr als 40 Prozent aller Schmerzpatienten leiden unter Gelenkschmerzen, deren Ursachen vielfältig sind1. Beispielweise können Fehlbelastungen, Übergewicht und altersbedingte Abnutzungserscheinungen Gelenkschmerzen verursachen, die sich in Krankheitsbildern wie Arthrose, rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) und Gichtarthritis äußern.

http://schmerzliga.de/arthroseschmerzen.html


Bei deren Entstehung spielen entzündliche Prozesse eine zentrale Rolle. Das geschädigte Gewebe und die Immunzellen setzen Entzündungsmediatoren frei, die eine Sensibilisierung der Nozizeptoren bewirken. Dabei werden auch so genannte „stille“ Schmerzsinneszellen aktiviert, was zu einer weiteren Steigerung der Schmerzintensität führt2. Von den Schmerzrezeptoren im Gelenk gelangen die Schmerzimpulse über Nervenbahnen zum Rückenmark und weiter zum Gehirn3. Die Entzündungsmediatoren im Gewebe unterhalten und verstärken das Schmerzgeschehen, indem sie die COX-2-Synthese aktivieren. Das Enzym COX-2 fördert die Bildung von Prostaglandinen, die ihrerseits zentrale Botenstoffe der Schmerzentstehung sind. Um eine Chronifizierung, d.h. eine Dauerreizung von Schmerzrezeptoren zu vermeiden, ist die schnelle Linderung der Gelenkschmerzen ein wichtiges Therapieziel.


Beispiel Arthrose

Die größte Prävalenz hat Arthrose, eine degenerative Gelenkerkrankung, die im Gegensatz zur Arthritis primär nicht entzündlich ist, sich in den akuten Phasen jedoch in starkem, entzündlichem Gelenkschmerz äußert. Eine Arthrose entsteht vor allem durch langjährige Überbelastung und zeichnet sich durch eine progrediente Veränderung der Knorpel- und Knochenstruktur aus, die schließlich zur Gelenkdeformierung führen kann.
In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter Beschwerden, die durch eine Arthrose verursacht werden. Zwei Millionen Menschen haben täglich aufgrund ihrer Arthrose Schmerzen in ihren Gelenken4.

http://www.arthrose.de/arthrose/haeufigkeit.html

Arthrose kann nur ein einzelnes oder auch mehrere Gelenke betreffen, besonders häufig betroffen sind:

  • Kniegelenke (Gonarthrose)
  • Hüftgelenke (Coxarthrose)
  • Schultergelenk (Omarthrose)
  • Fingerendgelenke (Heberden-Polyarthrose)
  • Fingermittelgelenke (Bouchard-Arthrose)
  • Daumensattelgelenke (Rhizarthrose).


Beispiel Gicht

Zu den schwersten Formen der Arthritis zählt die Gicht. Sie entsteht durch Ablagerung von Harnsäurekristallen, die sich an Gelenken, in der Niere und an anderen Orten bilden, wenn im Körper über längere Zeit erhöhte Harnsäurekonzentrationen durch verminderte Ausscheidung oder vermehrte Produktion bestehen. Die Ablagerungen können zu akuten oder chronischen Entzündungen führen, dem akuten Gichtanfall oder einer chronischen Gelenk- oder Schleimbeutelentzündung. Männer und Übergewichtige sind häufiger betroffen.

Ein akuter Gichtanfall wird oft durch Faktoren wie Alkoholgenuss oder üppiges Essen ausgelöst. Meist tritt er zuerst im Großzehengrundgelenk auf, wo er heftige Schmerzen verursacht.

Die chronische Gicht verursacht vor allem Gelenkschmerzen bei Belastung. Folgeerkrankungen können eine Nierenkolik (durch die Bildung von Nierensteinen) oder ein chronischer Nierenschaden sein.

http://dgrh.de/gicht.html

Sowohl bei Arthrose als auch Gicht gilt: Die Verhinderung einer Schmerzchronifizierung ist das wichtigste Therapieziel!


Quellen:
1 Breivik H et al. Eur J Pain 2006;10:287-333
2 BMBF: Chronischer Schmerz. 2001, http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/chronischer_schmerz%281%29.pdf (letzter Zugriff: 01.03.2013)
3 Höllt V, Allgaier C Analgetika. In: Aktories K, Förstermann U, Hofmann F, Starke K.
4 Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage. München: Urban & Fischer 2009; p. 219-20

 

Zahnschmerzen

Zähne können bei Krankheit oder Schädigung stärkste Schmerzen verursachen. Meist liegt Zahnschmerzen eine Reizung der Nerven zugrunde, von denen jeder Zahn von innen durchzogen ist. Eine der häufigsten Reizursachen ist Karies. Dabei wird der Zahnschmelz angegriffen und es kommt vor allem beim Verzehr von süßen Speisen zu Schmerzen. Karies kann jedoch lange Zeit unbemerkt bleiben.

Ein weiterer Schmerzauslöser ist die Pulpitis, eine Entzündung des Zahnmarks, die eine Folge von Karies sein kann. Die Zahnschmerzen, verursacht durch eine Pulpitis, treten spontan im Wechsel mit längeren schmerzfreien Phasen auf, die sich jedoch innerhalb weniger Tage verkürzen, bis es zu dauerhaftem Schmerz kommt.

http://www.dgss.org/mund-und-gesichtsschmerz/
http://www.medfuehrer.de/Pulpitis-Zahnnerventzuendung-Hintergrund

Aus einer Pulpitis kann sich eine Parodontitis (landläufig auch „Parodontose“ genannt) entwickeln. Dabei handelt es sich um eine bakteriell bedingte Entzündung, die Teile des Zahnhalteapparates (Bindegewebe und Knochen) irreversibel zerstört.

Parodontitis wird heute nicht mehr als lokale Erkrankung des Zahnfleisches aufgefasst, sondern als Entzündungserkrankung. Bei einer Parodontitis ist nicht nur das Zahnfleisch betroffen, sondern der ganze Patient, da zwischen einer Parodontitis und einigen Allgemeinerkrankungen vielfältige Wechselwirkungen bestehen.

http://www.dgss.org/mund-und-gesichtsschmerz/
http://www.kzbv.de/parodontitis-ursachen-und-symptome.95.de.html

Da Zahnschmerzen ausstrahlen, kann eine Lokalisierung des betroffenen Zahns schwer sein. Umgekehrt können Zahnschmerzen aber auch einen Nebenschauplatz gänzlich anderer Erkrankungen bilden, etwa einer Nebenhöhlenentzündung.

 

Postoperative Schmerzen

Postoperative Schmerzen werden den akuten Schmerzen zugeordnet. Ihre Funktion besteht in der Schonung des verletzten Gewebes. Sie können jedoch auch zu sekundären Problemen führen: So verlängern die schmerzbedingten Stressreaktionen (Sympathikusaktivierung) etwa die postoperative Genesung. Die postoperative Analgesie ist sowohl aus ethischen als auch aus ökonomischen Gründen von großer Bedeutung: Sie verringert postoperative Komplikationen und Morbidität, verhindert chronische Schmerzsyndrome und verkürzt die Krankenhausaufenthalte.

Nachgewiesen ist: Die schmerzbedingte Stressreaktion erhöht die postoperative Morbidität.

Die neuroendokrine Stressreaktion geht mit Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse und des Sympathikus einher. Dies bedingt eine erhöhte Wasserabsorption und Freisetzung von Katecholaminen und Kortisol. Es kommt folglich zur Steigerung der Herz- und Atemfrequenz sowie des Blutdrucks. Die Aktivierung des Sympathikus kann eine myokardiale Ischämie bzw. einen Myokardinfarkt verschlimmern und die gastrointestinale Aktivität verringern.

Weitere Folgen von unbehandelten postoperativen Schmerzen sind erhöhte Gerinnung, Immunsuppression und Aktivierung spinaler Reflexe. Letzteres führt zur Verminderung der respiratorischen Funktion durch Schonhaltung nach Oberbauch- und Thoraxeingriffen. Dies wiederum begünstigt die Ausbildung von Atelektasen und Pneumonien.

Chirurgische Verletzungen führen zu neuronalen Veränderungen („neuronale Plastizität“) auf spinaler Ebene, die für Schmerzsensibilisierung und postoperativen Schmerz verantwortlich sind. Die Stärke der postoperativen Schmerzen gilt daher als wichtiger Prädiktor für deren Chronifizierung. Eine ausreichende Analgesie kann diesen Prozess abschwächen und somit die Entstehung chronischer Schmerzsyndrome verhindern.

Die postoperative Schmerztherapie richtet sich nach dem geplanten Eingriff und den zu erwartenden Schmerzen. Die Analgesie beginnt intraoperativ und wird in der postoperativen Phase fortgesetzt. In der Aufwachstation (PACU) können starke Opioide eingesetzt werden, bis eine ausreichende Schmerzlinderung eintritt. Dabei garantiert eine engmaschige Überwachung des Patienten eine angemessene Schmerzmittelgabe und sie minimiert das Risiko von Nebenwirkungen und Komplikationen.

Medikamentöse Therapien können mit nicht-medikamentösen kombiniert werden. In vielen Fällen lässt sich dadurch die Wirksamkeit steigern.

 

Schmerzen nach Knochenbrüchen

Eine komplette oder inkomplette Kontinuitätsunterbrechung des Knochengewebes nennt man Fraktur. Sie führt zu einer Durchtrennung des Knochens unter Bildung zweier oder mehrerer Bruchstücke und ggf. dem Verlust der stabilisierenden Funktion. Klassische Ursachen sind Unfälle, Sportverletzungen oder Stürze. Ebenso ist es aber möglich, dass ein Knochen durch eine Dauerbelastung ermüdet und irgendwann aus einem möglicherweise geringen Anlass bricht (Ermüdungsfraktur, Stressfraktur).

Die Einteilung von Frakturen erfolgt nach einer Vielzahl an Kriterien, darunter beispielsweise nach dem Verlauf der Frakturlinie, der röntgenologisch sichtbaren Kontinuitätsunterbrechung (z.B. Querfraktur, Längsfraktur), nach Lokalisation (z.B. Schädelfraktur, Unterschenkelfraktur), nach Anzahl der Knochenfragmente (z.B. Einfragmentfraktur, Mehrfragmentfraktur), nach Pathomechanismus (z.B. Abrissfraktur, Ermüdungsfraktur), nach Ausmaß der Fraktur (vollständig, unvollständig) oder auch nach Integrität der bedeckenden Weichteile (offene Fraktur, geschlossene Fraktur).

Zu den Frakturzeichen, den klinischen Symptomen eines Knochenbruchs, zählen sogenannte sichere Frakturzeichen wie Achsenfehlstellung des Knochens, Krepitation („Reibegeräusche“), pathologische Beweglichkeit oder sichtbare Knochenfragmente bei offener Fraktur. Unsichere Frakturzeichen, da auch unter anderen Bedingungen vorkommend, sind dagegen Schmerz, Schwellung (Ödem), Hämatome oder Bewegungseinschränkung.

Obwohl die Knochensubstanz keine Schmerzrezeptoren besitzt, sind Frakturen in der Regel äußerst schmerzhaft. Der Schmerz wird durch Nozizeptoren des Periosts und des Endosts vermittelt. Weitere Schmerzursachen sind zum einen die Gewebespannung, die durch die Einblutung und dem begleitenden Weichteilödem ausgelöst wird. Zum anderen unwillkürliche Muskelaktivitäten, die die Fraktur stabilsieren wollen.

http://flexikon.doccheck.com/de/Fraktur

Gerade bei älteren Menschen, häufiger bei Frauen, kommt es aufgrund von Osteoporose verstärkt zu Knochenbrüchen. Die Osteoporose ist gekennzeichnet durch eine niedrige Knochenmasse und dem Verlust von Knochengewebe. Dadurch werden die Knochen schwach und brüchig, das Risiko von Knochenbrüchen steigt. In allen Fällen ist die Osteoporose auf ein Ungleichgewicht zwischen Knochenresorption und Knochenneubildung zurückzuführen.

Osteoporose ist ein Risikofaktor für Schmerzchronifizierung: Wenn Frakturen auftreten oder sich die Körperhaltung als Folge der Osteoporose verändert, kann es zu Schmerzen kommen. Diese Schmerzen können leicht bis stark sein und kurzfristig bis zur Ausheilung der Fraktur bestehen. Starke, anhaltende (chronische) Schmerzen sind bei der Osteoporose durch bleibende Veränderungen der Körperhaltung und der Wirbelsäule bedingt, die sich auf die gesamte Körperstatik auswirken können.

 

 

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