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Folgen und Konsequenzen

Akuter Schmerz

Vermeidbare Folgen eines inadäquaten postoperativen Schmerzmanagements

Die Schmerzentstehung nach Operationen ist ein komplexer Prozess. Durch Gewebetraumata und Nervenverletzungen unterschiedlichen Grades, die beispielweise bei Leistenhernien-Operationen auftreten können, werden Nozizeptoren stimuliert, was zu einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems führt und eine Stressantwort auslöst. Dies führt beispielsweise zur Gefäßverengung in den Extremitäten und zur Steigerung des Blutdruckes. Eine direkte Kopplung mit den Nerven der Schmerzwahrnehmung (nozizeptives System) besteht dabei jedoch nicht. Unter verschiedenen krankhaften Bedingungen (z.B. Nervenverletzungen nach operativen Eingriffen) kann es aber zu Kurzschlüssen (Aussprossen von sympathischen Nerven an Zellkörper der schmerzleitenden Nerven im Rückenmark) zwischen den beiden Nervensystemen, sowohl an den Rezeptoren der Schmerzwahrnehmung, im Rückenmark oder im Verlauf der Schmerzbahnen kommen.

Als Konsequenz führt jede Aktivierung des Sympathikus (Aufregung, Anstrengung) zu einer Intensivierung der Schmerzen. Diese Kopplung bildet sich in aller Regel nach Verletzungen wieder zurück. Neben einer effektiven Linderung postoperativer Schmerzen gilt es daher auch, diese Stressantwort zu reduzieren, und die Entstehung chronischer Schmerzen zu verhindern.1 Dabei hat das postoperative Schmerzmanagement eine wichtige Aufgabe.

Postoperative Schmerzen, die nicht ausreichend analgetisch versorgt werden, können für die Patienten ernsthafte Folgen haben: Neben einer reduzierten Patientenzufriedenheit und Lebensqualität sind starke Schmerzen auch mit einer erhöhten Inzidenz an pulmonalen und kardialen Komplikationen sowie erhöhter Morbidität und Mortalität der Patienten verbunden.1,2 Anhaltende postoperative Schmerzen können die rasche Mobilisierung der Patienten verzögern und den frühzeitigen Beginn einer Physiotherapie erschweren, die für die Genesung wichtig ist. In der Rehabilitation können beispielsweise Atem- und Hustentechniken, Entspannungstechniken, aktive oder passive Bewegungsübungen, manuelle Techniken/spezielle Massagetechniken und spezielle Lagerungen zur Anwendung kommen, deren korrekte, schmerzfreie und frühzeitige Durchführung für einen optimalen Heilungsverlauf notwendig ist. Müssen Patienten aufgrund einer verzögerten Heilung länger im Krankenhaus bleiben, steigen die Kosten für die stationäre Versorgung.3 Somit ist ein adäquates postoperatives Schmerzmanagement auch aus ökonomischer Sicht geboten. Zudem belasten postoperative Schmerzen die Lebensqualität der Patienten.

Als Folge- und Späterscheinung von operativen Eingriffen kann ein chronisches Schmerzsyndrom entstehen. Beim chronischen Schmerz gehen die Warn- und Schutzfunktion des Schmerzes und der zeitliche Zusammenhang zwischen Schmerzursache und Heilungsphase verloren, es entwickelt sich eine eigenständige Erkrankung, die auf der Basis anhaltender nozizeptiver Impulse entsteht.1 In einer prospektiven Studie wurden 911 Patienten über ihre postoperativen Schmerzen befragt. 522 Patienten gaben die Schmerzintensität mit einem NRS (Numeric Rating Scale) Wert von ≥3 an. Auf der NRS wird die erlebte Schmerzintensität von 0-10 angegeben, wobei 10 den maximal vorstellbaren Schmerz definiert. Bei 214 der 522 Patienten (41%) war der Schmerz im Mittel nach 29 Monaten chronisch (NRS≥3).4 In einem Übersichtsartikel aus dem Jahr 2000 wird die Inzidenz von starkem chronischem Schmerz, der nach einer Operation geblieben ist, mit 5-10% angegeben.5

Um postoperative Schmerzen frühzeitig zu kontrollieren und um das Auftreten chronischer Schmerzen zu vermeiden, ist ein gutes postoperatives Schmerzmanagement wichtig.

 

Literatur:
1 Freys & Mohr, Allgemein- und Viszeralmedizin up2date 1 2014: 59-79; doi: http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1346917
2 Gerbershagen et al., Anesthesiology 2013; 118: 934-944
3 Hudcova et al., Cochrane Database Syst Rev 2006 (4): CD003348
4 Simanski et al., Pain Medicine 2014; 15:1222-1229
5 Perkins et al., Anesthesiology 2000; 93: 1123-33

 

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