Liebe Patientin, lieber Patient,
Sie haben von Ihrem Arzt ein BtM (Betäubungsmittel)-pflichtiges Schmerzmittel verordnet bekommen. Diese Patienteninformation soll Ihnen wichtige zusätzliche Informationen zu Ihrer Therapie anbieten.
Was ist chronischer Schmerz und wie sieht die Therapie aus?
Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die über einen längeren Zeitraum
Was sind eigentlich starke Schmerzmittel?
Als starke Schmerzmittel bezeichnet man solche Arzneimittel, die die körpereigene Schmerzhemmung im zentralen Nervensystem unterstützen. Hierzu gehören z.B. klassische Opioide (Wirkstoff z.B. Morphin oder Fentanyl) oder Arzneimittel der Klasse der "MOR-NRI" (Wirkstoff Tapentadol).
Diese starken Schmerzmittel hemmen u. a. im Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn. Dabei besetzen sie die gleichen Bindungsstellen wie körpereigene Opioide (=Endorphine).
Warum werden starke Schmerzmittel auch als Betäubungsmittel (BtM) bezeichnet?
Opium (=Morphium) ist eines der ältesten bekannten Arzneimittel der Welt. Es wurde schon vor 3000 Jahren in Ägypten gegen starke Schmerzen eingesetzt. Damals und auch noch lange Zeit später sprach man davon, starke "Schmerzen" zu betäuben. So wurde der Begriff "Betäubungsmittel" für diese Wirkstoffe geprägt. Da Opium und seine natürlichen und synthetischen Abkömmlinge missbräuchlich eingesetzt werden können, beschloss man 1929 den Umgang mit diesen Arzneimitteln gesetzlich zu regeln. Im Betäubungsmittelgesetzt (BtMG) und der Betäubungsmittel- Verschreibungs- Verordnung (BtMVV) sind die Besonderheiten (z.B. spezielle Rezepte und Dokumentationspflichten) festgelegt.
Auch heute noch wird der Begriff "Betäubungsmittel" auf die dem Betäubungsmittelgesetz unterstellten Arzneimittel angewandt, auch wenn vielfach keine betäubende Wirkung vorhanden ist. Dies trifft auch auf moderne starke Schmerzmittel zu.
Machen starke Schmerzmittel süchtig?
Leider denken immer noch viele Menschen an Sucht und Entzugserscheinungen, wenn von starken Schmerzmitteln, insbesondere Opioiden, die Rede ist. Sie haben Angst davor, abhängig zu werden.
Dabei sind sich die Schmerzexperten weltweit einig: das Risiko einer psychischen Abhängigkeit ist bei korrektem Einsatz starker Schmerzmittel eher minimal.
Gerade moderne Schmerzmittel haben nicht nur durch ihren besonderen Wirkmechanismus und der Tabletten- oder Pflaster-Eigenschaften mit verzögerter Wirkstofffreisetzung ein geringeres Risiko der Suchtentwicklung. Bei korrektem Einsatz, d. h. Verordnung der richtigen Dosis und deren korrekten Anwendung, ist eine psychische Abhängigkeit nahezu ausgeschlossen.
Von der psychischen Abhängigkeit, die man gemeinhin auch als "Sucht" bezeichnet, muss die körperliche Abhängigkeit, also die Ursache für eventuelle Entzugserscheinungen bei abruptem Absetzen, unterschieden werden. Eine körperliche Abhängigkeit von starken Schmerzmitteln kann sich dann zeigen, wenn der Wirkstoff plötzlich fehlt. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Anwendung, wie verordnet, wichtig. Das Absetzen starker Schmerzmittel wird schrittweise vorgenommen. Durch langsame Dosisreduktionen gewöhnt sich der Körper an geringere Wirkspiegel und eventuelle "Entzugssymptome" können so vermieden werden.
Starke Schmerzmittel? Bin ich denn schon so krank, dass ich diese starken Medikamente brauche?
Ärzte verordnen stark wirksame Schmerzmittel längst nicht mehr ausschließlich Patienten mit sehr schweren Krankheiten.
Um eine adäquate Schmerzlinderung zu erreichen, werden frühzeitig bei allen Formen chronischer Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen) starke Schmerzmittel eingesetzt.
Wie werden starke Schmerzmittel richtig angewendet? Warum regelmäßig nach festem Zeitplan und nicht nur bei Bedarf?
Um eine gleichmäßige Schmerzlinderung bei anhaltenden Schmerzen zu erreichen sind gleichbleibende Wirkstoffspiegel des Schmerzmittels im Blut nötig. Daher sollten Schmerzmittel für die Behandlung von chronischen Schmerzen regelmäßig nach einem festen Zeitplan und Anweisungen Ihres behandelnden Arztes eingenommen werden.
Welchen Einfluss haben starke Schmerzmittel auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit?
Moderne Schmerzmittel gehören bei korrekter Anwendung zu den verträglichen Mitteln in der Langzeittherapie von Schmerzen. Zwar können gerade zu Beginn einer Behandlung einige unangenehme Nebenwirkungen auftreten. Klassische Nebenwirkungen, die besonders zu Beginn einer Therapie mit starken Schmerzmitteln auftreten können, sind Übelkeit und Erbrechen. Diese Nebenwirkungen gehen mit der Zeit meist zurück, können aber gerade zu Beginn einer Therapie eine große Belastung. (Ihr Arzt kann Ihnen gegen diese unerwünschten Wirkungen sogenannte Antiemetika verordnen.) Des Weiteren können zu Beginn nicht selten Müdigkeit und Benommenheit auftreten, die meist nach wenigen Tagen wieder von selbst nachlassen.
Eine besonders unter klassischen Opioiden, z.B. Morphin, weit verbreitete Nebenwirkung ist die Verstopfung. Dieser kann sowohl mit Medikamenten (sogenannte Laxantien) als auch unterstützenden Maßnahmen (viel Bewegung, Verzehr von balaststoffreicher Nahrung) begegnet werden.
Bitte wenden Sie sich stets bei anhaltenden Beschwerden jeglicher Art an Ihren Arzt. Er wird mit Ihnen besprechen, wie die Therapie für Sie möglichst optimal fortgesetzt werden kann.
Kann man unter einer Therapie mit starken Schmerzmitteln Auto fahren?
Zu Beginn der Therapie, in der Einstellungsphase oder bei Wechsel von einem anderen starken Schmerzmittel bzw. bei Dosiskorrekturen sollte auf das Autofahren erst einmal verzichtet werden. In dieser Zeit kann es zu Nebenwirkungen kommen, die die Reaktionsfähigkeit einschränken. Ist der Therapieverlauf stabil, ein guter Allgemeinzustand gegeben und sind Sie als Patient über mögliche Nebenwirkungen und Risiken aufgeklärt, kann die Fahrzeugführung aus ärztlicher Sicht möglich sein. Sie sollten allerdings zu jeder Zeit stets selbstkritisch und eigenverantwortlich mit dieser Frage umgehen.
In Zweifelsfällen ist eine Leistungsüberprüfung (Geschicklichkeitstest beim TÜV) sinnvoll.
| Was muss ich sonst noch bei einer Therapie mit starken Schmerzmitteln beachten? | |
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Starke Schmerzmittel unterliegen einer speziellen Verschreibungspflicht durch den Arzt. Rezepte dieser Art ("BtM- Rezept", "gelbe Rezept") müssen vom Patienten innerhalb von sieben Tagen in der Apotheke eingelöst werden, ansonsten verlieren sie ihre Gültigkeit. |
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Starke Schmerzmittel sollten nie eigenständig abgesetzt oder an andere zum "Probieren" abgegeben werden, da starke Nebenwirkungen auftreten können. Bitte wenden sie sich an Ihren Arzt, wenn sie mit der Therapie Ihrer Schmerzen unzufrieden sind. Er wird mit Ihnen weitere Maßnahmen besprechen. |
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Patienten, die mit starken Schmerzmitteln behandelt werden, sollten Urlaubsreisen ins Ausland mit ihrem Arzt frühzeitig besprechen. Im Ausland gelten teilweise unterschiedliche Regelungen für das Mitführen von Betäubungsmitteln. Für eine Reihe europäischer Länder gibt es ein einheitliches Formular, welches der verschreibende Arzt ausstellen kann. Diese Bescheinigung gilt für maximal 30 Tage (der Arzt darf für den Reisefall nur für höchstens 30 Tage starke Schmerzmittel verschreiben) und muss von der obersten Landesgesundheitsbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt werden. |
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Der gleichzeitige Genuss von Alkohol kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Patienten, die starke Schmerzmittel einnehmen, sollten daher auf Alkohol verzichten. |
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Bestimmte Medikamente können die Wirkung starker Schmerzmittel beeinflussen. Sie sollten deshalb weitere Arzneimittel stets nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen. |
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Es empfiehlt sich, immer einen BtM- Ausweis mit sich zu führen, so dass eine Therapie mit starken Schmerzmitteln für medizinisches Personal schnell erkennbar ist. |
Diese Information ersetzt nicht den Beipackzettel ihres verordneten Medikaments – bitte lesen Sie diesen auf jeden Fall aufmerksam durch.